Partnerschaftsgewalt (be)trifft Kinder
Unsere Kampagne zeigt, dass Kinder unter Gewalt zwischen Sorgeberechtigten leiden. Die Gewalt zu sehen, zu hören und mitzuerleben reicht aus, um als Kind und Jugendliche*r ebenfalls betroffen zu sein. Gewalt zwischen Sorgeberechtigten macht Panik, Angst, Sorge und kann viele negative Auswirkungen auf Kinder haben. Das wollen wir sichtbar machen und fordern bessere Hilfen für Kinder und Jugendliche.
Diese Seite bietet einen ersten Einblick in unsere Kampagne und wird fortlaufend um weitere Inhalte ergänzt.
Worum es uns geht
Partnerschaftsgewalt umfasst körperliche, psychische, sexuelle und ökonomische Gewalt zwischen aktuellen und ehemaligen Partner*innen. Wenn Eltern Gewalt gegeneinander ausüben, leiden Kinder mit. Trotzdem werden sie damit häufig nicht ausreichend wahrgenommen: weder in der Öffentlichkeit noch von Fachkräften und manchmal zu wenig vor Familiengerichten. In der Regel werden Kinder und Jugendliche als „Zeug*innen“ betrachtet. Als Kinderschutzbund Hamburg sagen wir: die reine Erfahrung der Gewalt zwischen Sorgeberechtigten zählt als eigenes Gewalterleben. Kinder und Jugendliche hören, sehen und spüren die Gewalt. Sie verstecken sich, greifen schützend ein, holen Hilfe, spüren die Bedrohung, sehen Verletzungen und leben in Angst vor der nächsten Eskalation.
Neben dem akuten Stress in der Situation selbst, entwickeln Kinder und Jugendliche Folgen, die ihr Leid verstärken. Diese Folgen reichen von Angstzuständen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen bis hin zu Traumafolgen, Entwicklungsbeeinträchtigungen und langfristigen Auswirkungen auf Beziehungen und das eigene Selbstbild.
Der Kinderschutzbund Hamburg möchte, dass es so nicht bleibt! Kinder und Jugendliche sind eigene Betroffene, müssen als diese im Hilfesystem wahrgenommen werden und benötigen Unterstützung.
Kinder haben das Recht gewaltfrei aufzuwachsen (Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention). Sie haben das Recht auf Schutz vor (schwerer) Gewalt, auch wenn diese zwischen Sorgeberechtigten geschieht.
Für Kinder und Jugendliche
Du bist Kind oder Jugendliche*r und betroffen?
Vielleicht streiten deine Eltern oft. Vielleicht schreien sie sich an, beleidigen sich oder einer von ihnen tut dem anderen weh. Auch wenn du selbst nicht geschlagen oder verletzt wirst: Wenn du Gewalt zwischen deinen Eltern miterlebst, kann das sehr schlimm und beängstigend sein.
Vielleicht versuchst du, den Streit zu stoppen. Vielleicht versteckst du dich. Vielleicht machst du dir Sorgen um deine Geschwister oder versuchst, sie zu beschützen. Vielleicht hast du Angst, bist traurig oder wütend. Vielleicht hast du Bauch- oder Kopfschmerzen. Oder es fällt dir schwer, dich in der Schule zu konzentrieren oder einfach mit Freund*innen Spaß zu haben.
Das Wichtigste ist: Du bist nicht schuld an der Gewalt. Und du bist nicht allein.
Du bist nicht die einzige Person, die das erlebt. In vielen Familien wird darüber nicht geredet. Aber immer mehr tun es. Und es gibt Erwachsene, die dir zuhören und dir helfen können. Du kannst mit einer Person sprechen, der du vertraust – zum Beispiel mit einer Lehrerin oder einem Lehrer, einer Erzieherin oder einem Erzieher, einer Sozialpädagogin oder einem Sozialpädagogen oder einer anderen erwachsenen Person.
Du kannst dir auch anonym Hilfe holen.
Hier kannst du anrufen und mit jemandem über deine Sorgen sprechen:
Kinder- und Jugendtelefon
Beratungstelefon 116 111
Kinderschutzzentrum Hamburg
Beratungstelefon 040 4910007
Kinderschutzzentrum Harburg
Beratungstelefon 040 7901040
Für Sorgeberechtigte
Für Kinder sind ihre Eltern die wichtigsten Bezugspersonen. Wenn sie sich zuhause sicher und geborgen fühlen, können sie gesund aufwachsen.
Kommt es zwischen Eltern oder Partner*innen zu Gewalt, erleben Kinder das immer mit – auch wenn sie den Streit nicht direkt sehen. Sie hören laute Stimmen, spüren Angst und Anspannung oder erleben Verletzungen. Selbst wenn sie schlafen oder sich in einem anderen Zimmer befinden, merken sie, dass etwas nicht stimmt. Diese Erfahrungen belasten Kinder sehr.
Was Sie für Ihr Kind tun können
Streit gehört zum Familienalltag dazu. Gewalt jedoch nicht. Wenn es in Ihrer Partnerschaft zu Gewalt kommt, ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Damit helfen Sie nicht nur sich selbst – sondern auch Ihrem Kind. Kinder brauchen Erwachsene, die sie schützen und Veränderungen ermöglichen.
Sie müssen diese Situation nicht allein bewältigen. Beratungsstellen unterstützen Sie dabei, Wege aus der Gewalt zu finden und Ihr Kind zu schützen. Die Beratung ist vertraulich, auf Wunsch anonym und kostenlos:
Kinderschutzzentrum Hamburg
Beratungstelefon 040 4910007
Kinderschutzzentrum Harburg
Beratungstelefon 040 7901040
Hier finden Sie eine aktuelle Liste aller Hamburger Erziehungs- und Familienberatungsstellen:
Für Fachkräfte
(Sozial-)pädagogische wie auch medizinische Fachkräfte sind häufig die ersten Außenstehenden, die die Not oder auch das unklare Gefühl eines Kindes oder Jugendlichen wahrnehmen können. Kitas, Ganztagsbetreuung und Schulen kommt darin eine besondere Chance zu, weil sich alle Kinder und Jugendlichen dort aufhalten. Außerdem teilen sich Kinder und Jugendliche in der Regel der Person mit, der sie vertrauen – unabhängig von Zuständigkeiten.
Nehmen Sie an einem Kind oder einem Jugendlichen Anzeichen einer Belastung wahr – häufig erkennen Fachkräfte dies anhand einer Form von „herausforderndem Verhalten“ – können die Gründe das Miterleben von Partnerschaftsgewalt sein. Wir ermutigen Sie dabei, sich aktiv zu informieren und im Falle eines Verdachts Beratung einzuholen. Bieten Sie sich als Vertrauensperson und Gesprächspartner*in an. Zuhören und Dasein ist unheimlich hilfreich.
Wir wollen Sie mit Fachtexten, Flyern, Handreichung und weiteren Materialien dabei unterstützen und werden diese fortlaufend auf unserer Seite ergänzen.
Hier können Sie gezielte Fachberatung und weitere Angebote für Fachkräfte in Anspruch nehmen:
Kinderschutzzentrum Hamburg – Angebote für Fachkräfte
Ein umfangreiches Fortbildungsangebot u.a. zu diesem Thema finden Sie hier:
Informationen und Kontakt
Anne Schultz-Brummer
Referentin Kampagne – Inhaltliche Fragen und Vernetzung
schultz-brummer@kinderschutzbund-hamburg.de
040 432927 58
Marit Schröter
Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit
schroeter@kinderschutzbund-hamburg.de
040 432937 36